US-Autoarbeiter James Brasher stirbt bei der Arbeit – dritter Todesfall bei Stellantis seit 2024

Stellantis-Ersatzteillager in Center Line, Michigan [Photo by Stellantis ]

Am Samstag, den 1. August, ist der 57-jährige Autoarbeiter James Brasher im Ersatzteillager des US-Autokonzerns Stellantis in Center Line (Michigan) gestorben. Brasher hatte mehr als 30 Jahre bei Stellantis gearbeitet und war Mitglied der Autogewerkschaft United Auto Workers (UAW). Damit sind drei Stellantis-Arbeiter und mindestens 16 UAW-Mitglieder seit 2022 bei der Arbeit ums Leben gekommen.

Über seinen Tod wurden nur sehr wenige Informationen öffentlich bekannt gemacht. In einem kurzen Beitrag auf der Website des Bundesstaats Michigan über tödliche Arbeitsunfälle im Jahr 2026 heißt es, Brasher habe ausgemusterte Geräte durch ein Rolltor im zweiten Stock des Gebäudes entsorgt, als er fast acht Meter tief in einen darunter stehenden Müllcontainer stürzte.

Paul Myszenski, Leiter der Behörde für öffentliche Sicherheit in Center Line, sagte, Brasher sei offenbar auf der Stelle tot gewesen. Myszenski versuchte, die Schuld auf das Opfer selbst abzuwälzen, indem er erklärte, Brasher habe zwar einen Sicherheitsgurt getragen, dieser sei jedoch nicht an einem Sicherungsseil befestigt gewesen, das den Sturz hätte verhindern können.

Wie zu erwarten war, behauptete Stellantis – ein globaler Autokonzern mit einer Marktkapitalisierung von über 21 Milliarden Dollar: „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität.“

Ein Kollege von Brasher schrieb in einem Kommentar zu einem lokalen Nachrichtenbericht: „In der Überschrift wird er als Autoarbeiter bezeichnet. Wir kannten ihn als James – als Ehemann, Vater, Kollegen, Freund und Menschen. In meinen über 27 Jahren bei Chrysler habe ich noch nie erlebt, dass die Unternehmensleitung so kalt und unverfroren auf den Tod eines Kollegen reagierte … Gestern blieben viele von uns mit dem schmerzhaften Gefühl zurück, dass wir nichts weiter sind als unsere Personalnummer. Nur eine weitere Nummer. Nur ein weiterer Name auf der Gehaltsliste. Nur eine weitere Belastung, die aus den Büchern gestrichen werden muss.“

Der Vorsitzende der UAW Shawn Fain und sein Stellvertreter Richard Boyer gaben am Samstag eine gemeinsame Erklärung ab, die zwar die obligatorischen Beileidsbekundungen enthielt, aber keine konkreten Maßnahmen vorschlug. Sie schreiben: „Die UAW wird den Fall untersuchen und vom Unternehmen detaillierte Angaben darüber einfordern, wie genau es zu dieser Tragödie gekommen ist, um sicherzustellen, dass sich ein solcher Unfall nie wiederholt.“

Tatsächlich sind die Umstände, die zu Brashers Tod führten, das direkte Ergebnis des Verrats der Gewerkschaft bei den Tarifverhandlungen und dem betrügerischen „Stand Up“-Streik von 2023. Die UAW-Führung hatte weniger als ein Drittel der 44.000 Stellantis-Mitglieder für den Streik mobilisiert und dann im November 2023 einen Tarifabschluss als „historischen Sieg“ verkauft, mit dem sie der Schließung von 19 Standorten zustimmte, darunter die Hälfte aller Stellantis-Ersatzteillager in den USA.

Der Standort in Center Line – einst der nationale Hauptsitz der Autoteilezentren Mopar – wurde im Januar 2025 verkauft und wird seitdem von Stellantis angemietet, bis zur geplanten Eröffnung des „Detroit Mega Hub“ im Jahr 2027, der 388 Millionen Dollar kostet. Das neue Logistikzentrum nach Amazon-Vorbild wird ein automatisiertes Lager- und Transportsystem nutzen, durch das Hunderte Arbeitsplätze wegfallen. Brasher entsorgte ausrangierte Büromöbel und -geräte aus einem der zehn Stellantis-Ersatzteillager, die geschlossen werden sollen.

Brasher ist der vierte Arbeiter der drei größten US-Autokonzerne Stellantis, Ford und General Motors („Big Three“), der im Rahmen des laufenden Tarifvertrags ums Leben gekommen ist. Am 21. August 2024 starb Antonio Gaston, ein 53-jähriger Vater von vier Kindern, im Stellantis-Montagewerk in Toledo. Am 7. April 2025 wurde Ronald Adams Sr., ein 63-jähriger Maschinenreparateur, der als „Beschützer des Werks“ bekannt war, im Stellantis-Motorenwerk Dundee zu Tode gequetscht, als sich während der Wartungsarbeiten plötzlich ein Brückenkran in Bewegung setzte. Am 16. März 2026 kam Gregory Knopf, ein 64-jähriger Rohrschlosser im Ford-Getriebewerk in Sharonville (Ohio) ums Leben, als sich eine Pressmaschine während routinemäßiger Wartungsarbeiten einschaltete – fast dieselben Todesumstände wie bei Ronald Adams.

16 Monate nach dem Tod von Ronald Adams haben weder die Behörde für Arbeitsschutz in Michigan (MIOSHA) noch Stellantis oder die UAW auch nur eine einzige Erkenntnis ihrer angeblichen Untersuchung veröffentlicht. Seine Witwe, Shamenia Stewart-Adams, hat keinen einzigen Brief, keinen einzigen Anruf und keine einzige Erklärung erhalten. Am Workers Memorial Day – genau an dem Tag, an dem Adams beigesetzt wurde – veröffentlichte die UAW ein Video, in dem Stellantis-Abteilungsleiter Kevin Gotinsky die „gemeinsamen Bemühungen“ mit dem Unternehmen lobte und implizit den Arbeitern selbst die Schuld an den Unfällen gab.

Die einzige Untersuchung, die die Wahrheit ans Licht brachte, wurde von der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) durchgeführt. Auf der Grundlage von Dutzenden Befragungen von Arbeitern stellte sie fest, dass die Geschäftsleitung – mit stillschweigender Duldung der Gewerkschaft – sogenannte „Cheater Keys“ für einen überstürzten Produktionsstart ausgegeben hatte. Mit diesen Schlüsseln konnten die vorgeschriebenen Sicherheitsvorrichtungen zur Abschaltung und Verriegelung von Maschinen (Lockout/Tagout) umgangen werden, um die Produktion schneller anlaufen zu lassen. Nach dem Tod von Adams ordnete das Management an, die Schlüssel zurückzugeben, und drohte bei Nichtbefolgung mit Entlassung.

Brasher starb zwei Wochen, nachdem Waldbrände den Großraum Detroit in giftigen Rauch gehüllt hatten. Am 16. und 17. Juli erreichte der Luftqualitätsindex die Marke 698 – der höchste Wert weltweit an diesen Tagen und die schlimmste Luftverpestung, die jemals in einer amerikanischen Großstadt gemessen wurde. Die Arbeiter wurden trotzdem in die Werke geschickt. Rettungskräfte mussten kollabierte Arbeiter aus den verrauchten Fabriken tragen.

Doch der UAW-Vorsitzende Fain wartete mehr als 24 Stunden, bevor er die Arbeitgeber in einem Facebook-Post „dringend aufforderte“, die Arbeiter zu schützen. Sein Vize Boyer sandte einen Brief an die Stellantis-Ortsverbände, in dem er gestützt auf die UAW-Zuständigen für Arbeitshygiene behauptete, dass die Luftqualität „innerhalb akzeptabler Grenzen“ liege. Der gemeinsame Arbeitsschutzapparat von Management und UAW schützt die Beschäftigten nicht. Er erklärt selbst gesundheitsgefährdende Luft für zulässig, damit die Produktion weiterläuft.

Am 30. Juli, zwei Tage vor Brashers Tod, veranstaltete die UAW ein Diskussionsforum, an dem die Präsidentschaftskandidaten für die UAW-Vorstandswahl teilnahmen. Die Debatte offenbarte die Kluft zwischen dem sozialistischen Kandidaten Will Lehman, einem Arbeiter bei Mack Trucks, und den fünf anderen Kandidaten, die alle darum wetteiferten, die Spitze des Gewerkschaftsapparats zu übernehmen, der ein Nettovermögen von 1,25 Milliarden Dollar hat. Fain, gegen den gerade strafrechtlich ermittelt wird, bezeichnete den Tarifvertrag von 2023 als „brillant“. Boyer verteidigte ihn.

Nur Lehman wies diese Behauptung zurück und machte klar, dass der sogenannte „Stand-up-Streik“ von 2023 kein echter Streik war: „Es war eine Katastrophe. Es war ein Hollywood-Streik“, sagte er. Er sprach als einziger Kandidat die Todesfälle am Arbeitsplatz an: „Jedes Jahr sterben in diesem Land mehr als 5.000 Arbeiter bei der Arbeit, weil Sicherheit dem Profit untergeordnet wird. In unseren Werken wurden Antonio Gaston, Ronald Adams Sr. und Gregory Knopf während des Tarifvertrags von 2023, den diese Führung als ‚historisch‘ bezeichnete, zu Tode gequetscht.“

Lehman prangerte auch Fains Untätigkeit und Boyers Brief während der Waldbrände an und rief dazu auf, Aktionskomitees aufzubauen, die dafür kämpfen, die Produktion stillzulegen, bis die Arbeiter selbst entscheiden, dass die Arbeitsbedingungen sicher sind. Keiner der anderen Kandidaten ging auch nur mit einem Wort darauf ein.

Lehmann erklärt: „Was wir brauchen, sind eine Strategie und eine Organisation – Klassenkampf statt Klassenzusammenarbeit, Internationalismus statt Nationalismus, von Arbeitern kontrollierte Aktionskomitees in allen Werken und Betrieben, vernetzt über alle Branchen hinweg, um die Bürokratie abzuschaffen und die Macht an die Arbeiter zu übertragen.“ Die anderen Kandidaten unterstützten alle Trumps Zollpolitik, wobei Fain damit prahlte, „sehr eng“ mit der Regierung zusammenzuarbeiten.

Am Sonntag veröffentlichte Lehman eine Erklärung zum Tod von Brasher, in der er seine Kolleginnen und Kollegen aufrief, „Gesundheit und Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen“. Er hob die Bedeutung der Untersuchung der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees zum Tod von Adams hervor und sagte: „Jede ‚Untersuchung‘, die von der UAW, der Unternehmensleitung und staatlichen Sicherheitsbehörden durchgeführt wird, wird nur zu einer weiteren Vertuschung führen. Damit James Brashers Familie und Kollegen die Wahrheit erfahren, die ihnen zusteht, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, müssen die einfachen Arbeiter selbst eine Untersuchung durchführen.“

Er forderte seine Kollegen auf, sich zu melden: „Wenn ihr im Werk in Center Line oder in anderen Bereichen des Stellantis-Konzerns arbeitet und wisst, wie es zum Tod von James Brasher gekommen ist, wenn ihr miterlebt habt, wie beim Arbeitsschutz gespart wurde, wenn ihr über die Bedingungen bei diesem Sanierungsprojekt Bescheid wisst, wenn ihr Dinge gesehen habt, über die euch eure Vorgesetzten und Gewerkschaftsvertreter gesagt haben, ihr sollt sie besser wieder vergessen – dann meldet euch. Eure Identität wird geschützt. Ihr werdet nicht allein kämpfen.“

Die Abfolge der Ereignisse ist vernichtend. Am Donnerstag bei der UAW-Debatte warnte Lehman, dass der Tarifvertrag von 2023 ein Todesurteil sei, und nannte die Namen der bisherigen Toten. Fain, Boyer und die anderen Kandidaten saßen schweigend da. Am Samstag war James Brasher tot. Die anschließend veröffentlichten Erklärungen – „die UAW wird Ermittlungen einleiten“, „Sicherheit hat für uns oberste Priorität“ – gehören zu dem Ritual, das der Gewerkschafts- und Managementapparat nach jedem tödlichen Arbeitsunfall wiederholt. Es hat zu keinem einzigen Ergebnis, keiner einzigen Strafverfolgung und keiner einzigen Änderung der Bedingungen geführt, die in Amerikas Schlachthaus Tag für Tag 15 Arbeiter das Leben kosten.

James Brasher hätte es verdient gehabt, nach Hause zu kommen. Seine Familie verdient die Wahrheit. Der einzige Weg, wie Arbeiter ihre Sicherheit und Gesundheit verteidigen können, ist die Bildung von Aktionskomitees in allen Werken. Diese Komitees müssen von den Arbeiterinnen und Arbeitern selbst kontrolliert werden und die Befugnis haben, die Produktion sofort zu stoppen, sobald die Arbeitsbedingungen unsicher werden. Dies erfordert zugleich einen politischen Kampf der Arbeiterklasse in den USA und international, um dem Kapitalismus ein Ende zu setzen, der jeden Tag Menschenleben für Konzernprofite opfert.

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